Protest-Karneval in der Hafenstadt

Dem Karneval gehe ich gewöhnlich weit aus dem Weg. Ich tue keinen Schritt aus meiner Wohnung oder ich fliehe ins befreundete Ausland. In diesem Jahr machte ich am Samstag eine Ausnahme. In der Hafenstadt war eine FastNachttanzdemo angekündigt, also fast eine Nachttanzdemo.

Nachttanzdemo? – da geh‘n wir wieder hin!

Ein Karnevals-Umzug wurde es nicht. Dafür sorgte schon die fürsorgliche Duisburger Polizei, sie erließ ein Vermummungsverbot! Es ist gut, dass die jungen Leute einen langen Atem haben. Die Forderungen sind im Kern die selben wie 2011 (siehe den Bericht auf diesem Blog). Nein, so schnell ändert sich in Duisburg nichts zum besseren. Geeignete Immobilien gibt es viele. Nur lässt die Stadtverwaltung sie lieber verkommen oder verscherbelt sie an windige „Investoren“, statt sie für Kultur von unten zur Verfügung zu stellen. Aktuell droht ein solches Schicksal der Alten Feuerwache in Hochfeld.

Ich nahm an einer – trotz eisigem Wind – fröhlichen und phantasievollen Demonstration teil. Neben mir liefen eine Duschzelle und ein Brathähnchen, ein Horror-Clown und ein Dinosaurier. Man hatte musikalisch die Wahl zwischen Samba-Truppe und Technogerumse vom Lastwagen (oder wie nennt man diese Musikrichtung?).

Die Reden waren inhaltlich pointiert, ohne langes Herumgerede und Gestammel und ohne die sonst üblichen Selbstdarstellereien. Einen Redebeitrag dokumentiere ich im Youtube-Video.

„Nur Menschen oder Projekte, die sich ökonomisch verwerten lassen, sind erwünscht und werden gefördert. Alles, was den kapitalistischen Normalbetrieb stört, wird abgeschoben, verdrängt und kriminalisiert.“

Erfreulich ist, dass über den Tellerrand geschaut wurde und der Rechtsruck und die Pegidioten, die geplante Räumung des Bauwagenplatzes, die Vertreibungspolitik gegenüber Roma, der Kahlschlag im Baumbestand und die Verdrängung von Obdachlosen aus der Innenstadt thematisiert wurden. „Unpolitisch geht nicht.“ Aber hören Sie selbst.

Wir haben uns wohl gefühlt. Das nächste mal sind wir wieder dabei.

Fastnachttanzdemo Duisburg 25.2.2017. 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (handgezählt).

 

Fastnachttanzdemo Duisburg 25.2.2017. Ist das einer dieser berüchtigten Horrorclowns?

 

Fastnachttanzdemo Duisburg 25.2.2017. „Für mehr Bewegung in einer stehenden Stadt!“ Der Zug setzt sich in Bewegung.

 

Fastnachttanzdemo Duisburg 25.2.2017. Demo-Ende von vorn.

 

Fastnachttanzdemo Duisburg 25.2.2017. Demo-Anfang von hinten.

 

Fastnachttanzdemo Duisburg 25.2.2017. Vor dem Rathaus.

Siehe auch hier: Initiative für ein soziokulturelles Zentrum in der alten Feuerwache Hochfeld!

Und natürlich hier: Syntopia – Stadtteil- und Projektladen in Duisburg-Hochfeld

Die WAZ hat auch berichtet: Mit Plüsch und Perücke für Hochfelds Alte Feuerwache

P.S.:

Jetzt gibt es auch einen Bericht in der ak[due]ll: Her mit dem schönen Leben!

 

Fast eine Nachttanzdemo

Plakate, Neudorf, 15.2.2017

Allem Anschein nach ist in der Hafenstadt endlich mal wieder eine Nachttanzdemo geplant. Am Kanevals-Samstag ab 17 Uhr am Hauptbahnhof.

Auf Facebook (wer liest den so was?) habe ich einen Werbetext gefunden:

Die Initiativen DU it yourself und Seid Nachbarn // Be Neighbours laden ein zum Protest-Karneval für ein sozio-kulturelles Zentrum in Duisburg.
Wir fordern endlich Freiräume für unkommerzielle Kultur, soziale Initiativen, interkulturellen Austausch und Bildungs-Projekte – um die Stadt gemeinsam mit allen die da sind von unten zu entwickeln.

Am Karnevalssamstag
(25.2.17 – um 17:00 Uhr – Portsmouthplatz am HBF)
werden wir uns in Farbe schmeißen und vom Hauptbahnhof aus durch die Stadt bis nach Hochfeld tanzen, die Musik laut drehen und unserer Forderung nach dem „Recht auf Stadt für Alle“ Ausdruck verleihen. Schließlich war Karneval schon immer auch Ausdrucksform von Protest gegen die herrschenden Bedingungen. Außerdem besteht unserer Meinung nach dringender Bedarf an einer Alternative zum mehrheitlich sexistischen und konsumgeprägten Karneval der Besinnungslosigkeit.
Also schließt euch uns an für einen Karnevalszug mit Bassmusik und Kultur statt Blaskapellen und Kamellen.

Ziel ist die Alte Feuerwache in Hochfeld.
Sie wurde 2006 mit Fördergeldern von EU und Land
renoviert. Nach 10 Jahren Untätigkeit muss die Stadt nun über 2 Millionen Euro Fördergelder zurückzahlen, weil sie KEIN soziokulturelles Zentrum umgesetzt hat.
Das Geld ist weg.
Und die Alte Feuerwache steht schon wieder leer.

Dieser erneute Skandal zeigt uns, dass in Duisburg – trotz Stillstand und klammen Kassen – keine Eigeninitiative erwünscht ist.
Wir protestieren gegen diese repressive Sozial- und Kulturpolitik, die Leerstände lieber verriegelt und Geld lieber verbrennt, anstatt ehrenamtlichen Initiativen und kreativen Menschen die vorhandenen und ungenutzten Räume zur Verfügung zu stellen.

Während Armut und Perspektivlosigkeit weiter zunehmen, Rassismus und Nationalismus in der Mitte der Gesellschaft Wurzeln schlagen und geflüchteten Menschen nach wie vor die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft verweigert wird, fragen wir uns:

Wohin wird die Gesellschaft treiben, wenn den immer zahlreicher werdenden Menschen, die sich für eine gerechtere Welt und ein gutes Leben für alle engagieren wollen, nicht endlich die Möglichkeit dazu gegeben wird?

Es ist Zeit für lauten und bunten Protest gegen die Duisburger Zustände. Wir fordern nach wie vor und jetzt erst recht endlich ein Soziokulturelles Zentrum für Duisburg!
Weil wir es brauchen.
Weil wir es können.
Weil die Alte Feuerwache da ungenutzt rumsteht.

Holen wir uns unsere Stadt zurück!

*Wir weisen vorsichtshalber darauf hin, dass es sich um eine Demonstration handelt auf der Alkoholverbot und Vermummungsverbot gilt – also seid kreativ 😉

#socialcenter4all